Das Bräuteln

Bräuteln - heute

In Sigmaringendorf und Umgebung hatte sich eine jahrhundertealte Sitte, das Bräuteln, erhalten, nach welcher am Fasnachtsdienstag morgens um neun Uhr diejenigen, welche im letzten Jahre geheiratet haben, neu ins Dorf gezogen sind, sowie auch die silbernen Hochzeitspaare, auf einer Stange unter höchst origineller Musik, durch das Dorf gebräutelt werden.

Die Träger dieser Sitte und der Bräutelstange sind die Ledigen Burschen des Ortes.

Über die Entstehung dieser merkwürdigen Sitte gehen die Meinungen auseinander.
Die einen behaupten, der Brauch sei aus Italien, aus der Bologna gekommen, wo er noch heute teilweise besteht.
Als Überlieferer werden Sigmaringendorfer Handwerksburschen genannt, die in früheren Zeiten als wandernde Gesellen durch ganz Europa zogen.
Andere wiederum sagen, der Brauch sei nach dem 30-jährigen Krieg entstanden, in einer Zeit, in der das ganze deutsche Volk um 2/3 dezimiert wurde und ganz gebrochen war von den unsäglichen überstandenen Leiden.

Dorfer Lied

Die Freude zum Leben (Anstoß für das Lied: "Freut Euch des Lebens"), der Wille neu anzufangen, die Lust zum Heiraten fehlten lange.
Dies war das Bild der ganzen deutschen Nation. So auch im Lande Hohenzollern und logischerweise auch in Sigmaringendorf. Im Dorfe waren die meisten Geschlechter zum Großteil ausgestorben. Man kann sich daher vorstellen, dass es in dieser Zeit mit Heiraten spärlich ausgesehen hat.

Die Zimmersche Chronik in Verbindung mit der Dorfer Chronik berichtet nun zur Entstehung des Bräutelns folgendes:

Es war ein Jahr nach dem schrecklichen Kriege und mehrere Dorfer Ledige saßen im Gasthaus zur Traube am Stammtisch und sprachen von den schlechten Zeiten, bis einer, der Karolus Speh, plötzlich erklärte, im selben Jahre noch seine Braut in den Schoß der Familie führen zu wollen. Dieser Entschluss überraschte seine Freunde derart, dass sie versprachen, wenn dies wahr werde, wollen sie ihn auf einem Rundholz -Bräutelstange- an der Fastnacht durch das Dorfe tragen (bräuteln).
So geschah es und bis auf den heutigen Tag werden in Sigmaringendorf und Umgebung, alle neuvermählten Ehepaare, neu Hinzugezogenen, sowie die silbernen Hochzeitspaare auf einem Rundholz durch das Dorf getragen.

Bräuteln - Damals 1950

Fridolin Rebholz,
Revierförster, auf der Bräutlingstange an der Fasnet 1950

(Vorlage: Oskar Gulde,
Sigmaringendorf)